Niedernhall zu Fuß und auf Rollen

Bericht vom EBM-Papst-Marathon Hohenlohe 2004

von Helmut Zitzmann

Zu erwarten war das warme Wetter Anfang September nicht mehr unbedingt, vor allem nach heftigen Regenfällen am Samstagmorgen. Hohe Luftfeuchtigkeit bei steigenden Temperaturen war die Folge. Trotz einiger dicker Wolken nahmen die Niederschläge im Laufe des Vormittags ab, es kam zunehmend Sonnenschein auf. Besonders für die Marathonläufer kein optimales Wetter. Diejenigen, die den „Halben“ oder nur die 10 Kilometer liefen, hatten es da besser, auch wenn es für sie schon recht warm wurde.

Mit sorgengerunzelter Stirn hatten die Speedskater in der Früh gen Himmel geblickt (sofern sie schon wach waren). Optimismus wäre aber die richtige Einstellung gewesen. Denn als sie gegen 14:30 Uhr an den Start gingen, war es angenehm warm, die Straße war nahezu komplett abgetrocknet und nur der Wind störte die Freude über fast optimales Klima.

Der Vorlauf

Schon die Vorbereitung und Organisation der Veranstaltung liefen meist problemlos. Einige Teilnehmer hatten allerdings fehlerhafte Anmeldebestätigungen erhalten (z. B. Kontonummer falsch: Ohne Korrektur wären hier nachträglich Bearbeitungsgebühren fällig geworden). Doch für solche Korrekturen wird die Bestätigung schließlich verschickt.

Selbst die Doppelanmeldung für Laufen und Skaten wie beim Verfasser dieser Zeilen ging per E-Mail reibungslos. Es gab schlicht und einfach zwei Startnummern (und auch zwei T-Shirts). Die Homepage hielt alle Informationen bereit für die aufkommenden Fragen von der Streckenführung über die Übernachtungsmöglichkeiten bis hin zu den Anfahrtswegen. Anmeldeschluss war erst wenige Tage vor dem Start und die Gebühren waren sehr angenehm: Von 20 € für den Marathon bis zu 5 € für den 10-Kilometerlauf.

Die Fahrt nach Niedernhall wurde ab der Autobahn-Abfahrt zum Problem. Die Straße war gesperrt, es musste eine sehr lange Umleitung in Kauf genommen werden. In Künzelsau war Niedernhall so schlecht ausgeschildert, dass die Gefahr einer zweiten Umleitungs-Odyssee bestand. Wer geradeaus durch den Ort fuhr, konnte wegen einer weiteren Baustelle nicht wieder umkehren und musste eine zweite Umleitungsrunde drehen.

Gut organisiert zeigte sich die Startnummernvergabe, trotz neuen Teilnehmerrekordes mit 2580 Finishern insgesamt. Am Stärksten besetzt war der Halbmarathon mit 1161 Läufern, am Schwächsten – wie zu erwarten – der Marathon mit 251. Die 10 Kilometer nahmen 751 Sportler unter die Laufschuhe und immerhin 413 Speedskater kamen mehr oder weniger heil ins Ziel. Zwischen den Läufen und dem Skating war noch ein Handbike-Marathon gestartet worden.

Der Zeitablauf geriet etwas ins Wanken. So kam beispielsweise noch ein Marathonläufer nach über sechs Stunden ins Ziel, als gerade die Skater starten sollten und sich schon aufgestellt hatten. Der Zieleinlauf war blockiert, der Läufer musste vorne vorbei.

Die Läufe

Die Laufstrecke zeigte sich wellig mit teilweise scharfen Kurven und Ecken. In Kombination mit der Wetterlage waren die Voraussetzungen für Bestzeiten eher ungünstig. Auf einigen recht engen Radwegen war dann kaum noch Platz zum überholen. Beidseits kamen sich die Läufer beim 10er in breiten Pulks entgegen, vor allem im Bereich der Wende. Nur die Schnelleren oder die Langsameren hatten hier einen Vorteil.

Von den Langstrecken gab es Berichte, dass Passanten die Strecke ohne die nötige Aufmerksamkeit überquerten und die Läufer zu Bremsmanövern zwangen während die Ordner sich mit ihrem Handy beschäftigten oder mit den Zuschauern unterhielten. Ähnliches war im Start-/Zielbereich zu beobachten. Die Ordner sollten für nächstes Mal besser instruiert werden!

Das Inliner-Rennen

Der Start hatte sich ziemlich verzögert, weil die ursprünglich geplante Strecke wegen einer anderen Veranstaltung nicht komplett gesperrt werden konnte. In der Zwischenzeit standen die Skater schon auf der Straße und wurden allmählich ungeduldig. Nach einigem Hin und Her unter Einbezug der Polizei wurde kurzfristig die Streckenführung geändert. Der Moderator gab sich größte Mühe, bis dahin keinen Unmut aufkommen zu lassen.

Für Erheiterung der Anwesenden sorgte dann die Aufforderung, die ersten circa drei Kilometer vorsichtig zu fahren und bis dahin keinesfalls das vorausfahrende Polizeiauto zu überholen. Dieser erste (und letzte) Abschnitt war auch sehr kurvig mit vielen Abzweigungen und Unebenheiten und dementsprechend nicht ungefährlich. Mehr als ein Ausgleich war die dann folgende große, breite Straße mit gutem, glattem Asphalt und wenigen „Hügeln“. Da war dann zu spüren, warum dieser Sport SPEED-Skaten heisst!

Stürze waren vor allem am Start zu beobachten (spektakulärer kleiner Massensturz) sowie an der Wende und wieder auf den drei Kilometern vor dem Ziel. Soweit zu erfahren war, gab es dabei glücklicherweise keine ernsthaften Verletzungen. Ein schattiger Abschnitt auf einem engen Radweg war noch nass und sehr schmierig, so dass hier nur Rollen ohne Ausfallschritte angesagt war.

Ergebnisse

Die Siegerzeiten der Laufdisziplinen waren weitgehend ohne Bedeutung. Lediglich die 1:06:53 im Halbmarathon ließ aufhorchen. Martin Beckmann gelang dieser Erfolg in der Vorbereitungsphase auf den Berlin-Marathon, welchen er mit 2:15 abzuschließen gedachte. Die Siegerin bei den Frauen brauchte 1:27:28. Im Marathon blieben gerade einmal 8 Starter unter der 3-Stunden-Grenze. Die Siegerzeit der Männer betrug 2:41:25, bei den Frauen 3:16:30, im 10-Kilometerlauf 32:25 und 38:56.

Der schnellste Speedskater brauchte für die 26 Kilometer 41:11, die schnellste Skaterin 44:00. Das bedeutete einen Schnitt von 1:35 (1:42) Minuten pro Kilometer und entsprach damit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 37,9 (35,3) km/h. Spitzenzeiten liegen bei den Herren um die 40 km/h, bei den Damen nur wenig langsamer.

Trotz des nicht optimalen Wetters gelangen etlichen Teilnehmern und Teilnehmerinnen des Lauftreff Hainsacker persönliche Bestzeiten. Dazu herzlichen Glückwunsch! Die Ergebnisse sind unter http://www.lauftreff-hainsacker einzusehen. Zu der Liste noch eine Anmerkung: Dass ich selber beim 10-km-Lauf und beim Inlinerlauf auftauche, ist kein Druckfehler. Durch die zeitliche Versetzung war ein Doppelstart kein Problem.