Tour de Malaysia

25.2. bis 5.3.2008

Erlebt und beschrieben von Dirk Limann
Karte auf der letzten Seite

Nun, ich wollte eigentlich nur die neue Straße von Gua Musang von Osten her zu den Cameron Highlands radeln. Am Ende ist es eine „Tour de Malaysia“ geworden die mich von Malacca über Fraser’s Hill bis nach Kota Baru (Nord-Ost Ecke von Malaysia) und Thailand brachte. Der Höhepunkt war schließlich die Fahrt nach den Cameron Highlands und weiter hinauf zum Berg Brinchang (2032m), dem höchsten befahrbaren Punkt von West Malaysia.

Eine selbst auferlegte Bedingung war, nur Nebenstrecken zu benutzen und nirgendwo Risiken einzugehen. Das war auch ein Versprechen an Jenny, die über die „gefährliche“ Reise nicht gerade begeistert war.
Mit Hilfe meines GPS-Systems wurden die dementsprechenden Routen ausgesucht. Es waren wirklich schöne Strecken mit den obligatorischen Gummi- und Palmölplantagen. Seltener Ebenen mit Reisanbau, aber viel Urwald. Und auch bunte Bauerndörfer mit freundlich winkenden Malay-Kindern oder sogar Orang Asli’s (Ureinwohnern) mit Blasrohren bin ich begegnet.
Für die lange Strecke von Kuala Lipis nach Gua Musang gab es keine Nebenstrecken. Erkundigungen ergaben, dass es eine alte schmale Straße war, die viel Lastwagenverkehr und keinem Seitenstreifen hatte. Da war kein Platz mehr für mich. Hier benutzte ich einen alten scheppernden Lokalbus.
Ein zweiter fahrfreier Tag war die Rückfahrt von Kota Baru nach Gua Musang mit einem Bummelzug, der 7 Stunden brauchte.
An 7 Fahrtagen kamen 848 km zusammen. Das hört sich nach nicht viel an: im Durchschnitt etwa 120 km pro Tag. Die weiteste Strecke war 170 km. Aber das Innere von Malaysia ist hügelig und zusammen mit den zwei Hochlandtouren musste ich insgesamt 8400 Höhenmeter in tropischer Schwüle stemmen. Die Fahrt zu den Cameron Highlands brachte allein 115 km und fast 2800 Höhenmeter zusammen.

Verpflegung habe ich in den einfachen Essenständen neben der Straße eingenommen. Durchschnittlich 1 Euro für ein Essen mit Getränk.

Günstig waren auch die Übernachtungen in kleinen „Malay“- Hotels für ca. 10 Euro pro Nacht. Manchmal sehr primitiv, ohne Klimaanlage, ohne eigenes Bad aber vielen stechenden Moskitos.

Eine größere Überlegung war, welches Rad ich nehmen sollte. Da viele Bergfahrten auf dem Programm standen, war der erste Gedanken natürlich: Mit dem MTB! Aber das Gewicht und die schlechten Rolleigenschaften hätten mich zu viel Kraft gekostet. Also die Entscheidung: Rennrad! Die Sattelstützentasche musste angepasst und ein GPS-Halter beschafft werden. Statt der Rennradpedale wechselte ich zu MTB-Pedalen, um mit den MTB-Schuhen auch vernünftig laufen zu können. Zum Schluss noch neue Reifen und eine neue Kette, um Pannen weitestgehend auszuschließen.
An den mitzubringenden Sachen habe ich gegeizt wo ich nur konnte. Nur ein Satz leichtgewichtige Unterwäsche, Socken, langes T-Shirt und eine Hose für den Abend, sowie eine kleine Zahnbürste und Tube. Die Radsachen wurden jeden Abend gewaschen.
Wichtig noch: Sonnenschutzcreme (Faktor 50+), Magnesium und Salztabletten.
Ein paar Sandalen und meine Kamera wurden aus Platz- und Gewichtsgründen weggelassen.
Mein gesamtes Fahrgewicht, mit voller Ausrüstung und Wasser betrug nur 85 kg. Mein Eigengewicht war 71 kg, so dass das Rad inklusive all dem Rest nur 14 kg (!) wog. Das ist das Leergewicht meines MTB. Wahrlich eine leichtgewichtige Reise.

Eine Fehleinschätzung war, am Abend nur meine MTB Schuhe zu benutzen. Die Schuhe waren nach einer Fahrt pitschnass. Entweder von Schweiß, Spritzwasser oder Regen. So musste ich barfuss in den stinkenden Galoschen rumlaufen. Über Nacht wurden die auch nicht trocken. Gott sei Dank habe ich ein paar kurze dünne Gummisandalen kaufen können, die noch in meine Satteltasche passten. Zum Trocknen der Schuhe habe ich dann zu einem alten Hausmittel gegriffen, mit Zeitungspapier ausstopfen!

Ein sehr hilfreiches Überbleibsel Amerikanischer Kriegstechnik war das GPS. Ich habe ein kleines wasserfestes Hand-Gerät von Garmin, mit einer eingespeicherten GPS-Karte von ganz Malaysia. Mit der Routen-Funktion konnte ich mir schon zu Hause meine Strecken zusammenstellen oder bei Bedarf auch während des Trips neu berechnen lassen. Man folgt einfach der vorberechneten Route und weiß immer wo man ist und wie es weiter geht. Eine enorme Vereinfachung der Orientierung und das alles während der Fahrt.
Falls das Gerät ausfallen sollte, hatte ich natürlich noch eine grobe, ausgeschnittene Karte über mein Fahrgebiet dabei. Das war ein Blatt von ca. DIN-A4-Größe.

Die größten Probleme beim Radeln in den Tropen sind Schwitzen und Wasserzufuhr. Schwitzen ist notwendig zur Kühlung. Das funktioniert bestens bei genügend Fahrtwind und lockerer Oberbekleidung. Nun beim Bergauffahren fällt der Fahrtwind und damit die Kühlung weg. Der Schweiß rinnt in Strömen die Arme und Beine herunter. Die Schuhe werden nass. Von den Handschuhen tropft die Flüssigkeit im Sekundentakt. Die Fußsohlen und Innenhände sind am Abend voll gesaugt mit Wasser, sind weiß aufgedunsen, und sind runzlig wie Elefantenhaut.
Um einen Leistungseinbruch zu verhindern, muss ständig Wasser und Salz zugeführt werden. Aber nicht nur während der Fahrt - auch am Abend bis zum schlafengehen und in der Frühe muss ständig getrunken werden um möglichst viel Wasser im Körper zu speichern. An einem Tag wandern so 5-6 Liter Wasser durch den Körper.
Regelmäßiges Essen (ca. alle zwei Stunden) und Magnesiumzufuhr sind auch wichtig, um über 8 Stunden leistungsfähig zu bleiben.
Um keine müden Beine aufkommen zu lassen, fuhr ich alles locker und mit hoher Trittfrequenz. An Steigungen runterschalten statt den Pedaldruck übermäßig zu erhöhen.
Irgendwie hatte ich das ganze gut im Griff, denn ich hatte nie Tiefpunkte, nie schwere Beine und keinen einzigen Krampf.


Hier noch Höhepunkte der verschiedenen Etappen.

1. Tag: Malacca – Kuala Pilah, 97 km, 529 Hm, Radzeit 4:28
Nichts Besonderes. Alles Strecken, die ich schon kannte. Leicht bewölkt.

2. Tag: Kuala Pilah – Bentong, 165 km, 979 Hm, Radzeit 7:11
Die ganze Nacht heftiger Regen bis kurz vor Abfahrt. Den ganzen Tag dunkel bewölkt aber kein Regen. Wurde aber trotzdem von den nassen Straßen von unten her nass gespritzt. Herrlich einsame Straßen mit größeren Dschungel-Abschnitten. Ich bin manchmal eine Stunde durch Dschungel gefahren, ohne einem Fahrzeug oder einem Menschen zu begegnen. Dafür stoben mit lautem Gekreisch die Affen durch die Bäume, das Echo der Vögel hallte in dem Dickicht und bei warmen Sonnenschein bildete das monotone, hochfrequente Zirpen von tausenden von Zirkaden die Hintergrundmusik. Schmetterlinge auf meiner Schulter hatten eine ergiebige Salzquelle gefunden. Auf der Straße tummelten sich Nager, Leguane und Schlangen. Hier fühlte ich mich zu Hause.

3. Tag: Bentong – Fraser’s Hill, 79 km, 1758 Hm, Radzeit 5:32
In der Nacht wieder heftiger Regen. Die kurvige Bergstraße hinauf zum Fraser’s Hill war übersät mit Blättern, Ästen und Muren. Plötzlich eine kleine Auto und Lastwagen-Kolonne am Straßenrand. Ein Bergrutsch hatte die Straße einen Meter hoch mit Schlamm, Felsen und Baumstämmen unpassierbar gemacht. Drei Bagger waren dabei, alles in das talseitige tiefe Bachbett zu schieben. Gott sei Dank ist der Straße nichts passiert. Nach ihrer Freigabe musste ich mich trotzdem durch den speichentiefen Schlamm durchquälen. Beim nächsten Bach habe ich mit blanken Händen erst mal mein Gefährt gewaschen.
Beim Knotenpunkt wäre eigentlich eine neue Straße nach Fraser’s Hill gegangen. Aber dort ist in der Nacht ein 100 Meter langes Stück vollkommen weggespült worden. Einzige Zufahrt war die alte schmale Straße. Am Nachmittag Rundfahrt in den Fraser’s Hills, teilweise bei Sonnenschein. Wunderbare Ausblicke auf die mit Wolkenfetzen umgebenden Bergspitzen.

4. Tag: Fraser’s Hill – Gua Musang, 42 km, 102 Hm, Radzeit 1:53
Nachts wieder heftiger Regen. Meine Klamotten und Schuhe sind in dem kalten und klammen Zimmer einfach nicht trocken geworden. Also alles nass anziehen und dann bei 19°C eine 28 km lange eineinhalbstündige Abfahrt. Dieselben Straßenverhältnisse wie gestern: Regenschwere Bambusstangen bogen sich bis auf die Straße herab, Blätter, Äste, Steine, Muren, Erdrutsch, Schlamm, Rad waschen im Bach.
Ich wollte eigentlich heute bis Kuala Lipis und am nächsten Tag bis Gua Musang fahren, aber aus den am Anfang genannten Gründen habe ich von Raub aus den Bus genommen.
Bis Raub regenfrei aber danach Dauerregen während der Busfahrt und Ankunft in Gua Musang.
Die Hoteldame sagte mir, dass es schon zwei Tage ununterbrochen regnete. Sollte ich aufgeben und versuchen mit dem Bus auf Umwegen nach Ipoh zu gelangen? Nein, ein Dirk gibt so schnell nicht auf! Ich war extra hierher gekommen, um die Ostroute nach Cameron Highlands zu fahren und als Zuckerl eventuell noch die Fahrt bis nach Kota Baru und zur Thailändischen Grenze. Warten wir bis morgen früh ab. Es muss doch mal aufhören zu regnen.
Problematisch wieder, die Sachen zu trocknen. Ein Lampenschirm, geheizt von der angeschalteten Glühbirne, diente als Trockner für Handschuhe, Socken und Stirnband. Radhemd und Hose waren am Rad ausgebreitet. In den Schuhen Zeitungspapier.

5. Tag: Gua Musang – Rantau Panjang, 169 km, 898 Hm, Radzeit 7:20
Es hat noch die ganze Nacht geregnet. Aber als ich am Morgen aus meinem Südfenster blickte, tröpfelte es nur noch ein bisschen und der Himmel klärte sich auf. Also hinein in die fast trockenen Sachen und auf nach Norden. Aber da war der Himmel schwarz und so setzte auch bald der Regen ein. Fein, dicht, alles durchdringend. Vier Stunden bin ich auf einer einsamen Straße so dahingeradelt. Nach einiger Zeit war der warme Regen eigentlich kein Störfaktor mehr. Im Gegenteil: Ich genoss die Frische und hatte Freude, die beeindruckende Landschaft zu genießen. Wolkenumhangene Kalksteinkogel wie in Guilin in China zogen an mir vorbei. Von einem langen, hohen Felsrücken fielen schmale, lange Wasserfälle zu Tal, die mich an meine Neuseeland-Reise erinnerten. Die Bäche und kleinen Flüsse waren weit über die Ufer getreten und eine brodelnde, rostrote Suppe, mit Treibholz durchsetzt, wälzte sich knapp unter den Brücken hindurch.
Mittag auf einmal Sonne. Bei einer kleinen Garküche habe ich meine Sachen auf einem warmen Zementsockel getrocknet und die besten gebratenen Nudeln meiner Reise genossen. Kosten mit zwei Getränken: 0,40 EUR.
Aber weiter im Norden wo ich hinwollte war es dunkel und so setzte wieder der penetrante Regen ein.
In Jeli sollte eigentlich Schluss sein für heute. Aber oh Schreck die einzige Unterkunft war ausgebucht. Man verwies mich auf ein Gasthaus, 15 km entfernt. Ab Jeli auf der viel befahrenen Ost West Highway Nr. 4. Zum Glück war ein sehr breiter, geteerter Seitenstreifen vorhanden der die Fahrzeuge auf Distanz von mir hielt. Aber Spritzwasser und Gischt des vorbeirauschenden Verkehrs hüllten mich gänzlich ein. Es regnete in Strömen. Einmal so heftig, dass ich mich unterstellen musste. Der Seitenstreifen war vollkommen unter Wasser und es bestand die Gefahr, dass ich in Löcher oder Gegenstände fuhr.
Der zweite Schock: Das Gasthaus hatte auch keine Zimmer mehr. Da stand ich nun am Spätnachmittag, nass bis auf die Knochen, hungrig und kein Bett. Man verwies mich auf Tanah Merah, 35 km entfernt. Das wären noch mal 1,5 Stunden auf dieser fürchterlichen Straße im Regen. „Dirk, keine Panik“ sagte ich mir, und gab mir Zeit die Situation in Ruhe zu überdenken.
Als erstes habe ich mir was zum Essen und trinken gekauft, meine Wasserflaschen aufgefüllt und vorsichtshalber noch eine Rolle Kekse eingepackt. Wer weiß wie lang dieser Tag oder Nacht noch werden wird.
Als zweites habe ich mein GPS konsultiert. Mit der Suchoption Unterkünfte spuckte mir das Gerät zwei Hotels in Rantau Panjang aus, das ist die Grenzstadt zu Thailand, 22 km entfernt. Und das Gute war, dass der Ort über eine Nebenstrecke zu erreichen war, die ich sowieso Morgen hätte fahren wollen.
Ich erreichte das Hotel eine Stunde vor Dunkelheit. Kosten für die Übernachtung 6 EUR.

6. Tag: Rantau Panjang – Pasir Mas, 81 km, 48 Hm, Radzeit 4:07
Ab heute kein Regen mehr bis zum Ende der Reise. Mischung aus leichten Wolken und Sonnenschein.
Über die Grenzbrücke nach Thailand und dann 20 km weiter nach Norden nach Tak Bai. Die Strecke völlig eben mit ausgedehnten Reisfeldern zu beiden Seiten. Auf den abgeernteten Feldern viele Wasserbüffel und Rinder und als weiße Tupfer die Egrets. Das sind Zugvögel die von Sibirien, Japan und China im Winter hierher ziehen.
In dem kleinen Ort Tak Bai bin ich über eine schmale Holzbrücke zu einer vorgelagerten Laguneninsel gefahren. Dann musste ich mein Rad durch weichen Sand, an kleinen Fischerhäusern vorbei bis zum Palmen besäumten Naturstrand schieben.
Ich hatte den nördlichsten Punkt meiner Reise erreicht. Innere Freude, dass ich das geschafft habe. Mit dem Rad von Malacca bis Thailand, Blick auf das Südchinesische Meer und hinter dem Horizont war Vietnam. Was für eine kleine Welt.
Mit einer abenteuerlichen Fähre ging es über den Grenzfluss wieder nach Malaysia.
Nördlich von Kota Baru besuchte ich zwei Thai Tempel und dann kam die große Entscheidung.
Entweder nach Kota Baru zu radeln, zu Übernachten und am nächsten Tag komfortabel in 4 Stunden mit dem Express Bus nach Gua Musang zu fahren. Mein Wunsch war aber auf der alten Holzfällerstrecke mit dem Zug zurück zu fahren. Das Dumme war nur, dass der Bahnhof nicht in Kota Baru, sondern 20 km entfernt in dem kleinen Ort Pasir Mas war und der Zug um 7 Uhr früh startete. Da war es noch dunkel und mit dem Rad eine Stunde, unbeleuchtet, über Landstraßen von Kota Baru zum Bahnhof zu fahren war unmöglich. Ich wollte aber mit dem Zug fahren! Also Entscheidung, erst nach Pasir Mas zu radeln und versuchen, eine Unterkunft zu finden. Wenn das nicht klappen sollte, würde ich zurück nach Kota Baru fahren und den Bus nehmen.
Nun, in Pasir Mas klapperte ich Tankstellen, Geschäfte und Leute wegen Unterkunft ab, aber: „Hotel, Gasthaus oder Zimmer, … so was gibt es nicht bei uns“, bekam ich jedes mal zu hören. So fuhr ich von einem Ende zum anderen Eck des Ortes in der Hoffnung auf ein Mirakel, selbst noch was zu entdecken. Ich wollte mit dem Zug fahren! Dirks Dickkopf und die Niemals-Aufgeben-Strategie machten sich bezahlt. An der letzten Tankstelle kam der entscheidende Tipp. Schräg gegenüber war eine Apotheke und die vermieten Zimmer. Ich bekam das letzte Bett.

7. Tag: Pasir Mas – Gua Musang
Siebenstündige Fahrt mit dem Bummelzug durch das Herz von Malaysia. Die Landschaft wechselnd von flachem Reisland, zu hügeligen Plantagen und im Kernstück Dschungel bewaldete Berge mit einigen Tunnels. Keine Beleuchtung im Wagon. Diese waren schon vor langer Zeit aus der Decke gerissen worden und brennen wahrscheinlich in einigen Bauernhütten. Alleine über die schunkelnde Fahrt, die vollkommen heruntergekommenen Wagons und die aus den Hinterland-Dörfern stammenden Mitreisenden könnte ich eine eigene Geschichte schreiben.

8. Tag: Gua Musang – Cameron Highland, 115 km, 2769 Hm, Radzeit 7:22
Die Königsetappe. Abfahrt im Morgengrauen. Das Problem dieser Strecke war, dass der größte Teil durch unbewohntes Gebiet führt. Daher musste ich zusätzlich einen Wasserkanister und Essen in einer Plastiktüte mitschleppen, die ich an meinen Lenker hängte. Wie ein Lumpensammler bin ich dahergekommen.
Etwas Frustration bescherte die lange Anfahrt mit viel rauf und runter. Aber ich kam einfach nicht auf Höhe. Nach 60 km und einem langen Anstieg auf 400 m Höhe dachte ich jetzt geht es endlich aufwärts. Pustekuchen. In Null Komma Nichts wieder runter auf 250 m. All das Gestrample umsonst. Das zermürbt innerlich. Erst nach 70 km ging es dann stetig bergan, immer steiler werdend mit einem „Wadelbeißer“ 6 km lang mit 15% und mehr Steigung. Da war auch im ersten Gang kein lockeres Pedalieren mehr möglich. Schon in den Highlands ging es noch mal runter auf 1200 m. Dort war der Ort Raja, wo ich am Nachmittag meine erste warme Mahlzeit zu mir nahm. Mein Wasservorrat von fast drei Litern war aufgebraucht.
Gestärkt hoch bis auf 1600 m und zu dem Ziel, Brinchang.

9. Tag: Brinchang – Ipoh, 102 km, 1410 Hm, Radzeit 5:04
Abfahrt bei 18°C. Umrundung des Golfplatzes und dann steil hinauf zum Berg Brinchang auf 2032 m gelegen. Einmal in den Teeplantagen und einmal im oberen Bergwald musste ich schieben. Das war mit dem Rennrad nicht mehr zu schaffen. Jaaa und dann die Abfahrt. Erstmal runter bis Raja (1 Std), längerer Anstieg und danach eine 50 Kilometer lange berauschende Traumabfahrt (1,5 Std,) bis in die 80 m hoch gelegene Ipoh Ebene.
Fünf Kilometer vor dem Ziel meine einzige Panne: ein Platten.

Resümee:
Eine tolle erlebnisreiche Fahrt, die sich in mein Hirn eingebrannt hat.
Durch die penible, mehrwöchige Vorbereitung mit Selektion von Material und Leistungsaufbau gab es keinerlei Schwierigkeiten während der Reise. Auch durch die Streckenauswahl und Umsicht beim Fahren kam ich nie in irgendwelche kritischen Fahrsituationen.
Erstaunlich, wie ich trotz des katastrophalen Regenwetters immer durch die Löcher geschlüpft bin und nur einen wirklichen Regenfahrtag auf dem Rad hatte.
Ohne das GPS wäre die Tour in dieser Form und Leichtigkeit nicht durchführbar gewesen.

Folgenden Personen, die zu dem Gelingen unbewusst beigetragen haben, habe ich zu danken:
- Loi: Radmechaniker, der mein Rennrad nach meinen Angaben und Wünschen „Bandscheibengerecht“ zusammengebaut hat.
- Arnold: Radkumpel, der uns immer wieder über die Speicherfähigkeit von Wasser im menschlichen Körper gepredigt hat.
- Sonja: Iron Woman, über den richtigen und wichtigen Gebrauch von Salztabletten und Magnesium.
- Niels: Radfreund, der mich über die ersten schwierigen Hürden der GPS Kartentechnik hinweggeholfen hat.
- Casper: Holländischer Weltreisender, der den entscheidenden Hinweis gegeben hat, nicht die Straße von Raub nach Gua Musang zu benutzen.
- Reinhold Messner: Extrem-Abenteurer, der mich mit seiner Solo-Besteigung des Mount Everest inspiriert hat und gezeigt hat, dass man durch ein Minimum an Gewicht und außergewöhnliche Schnelligkeit auch das Unmögliche überwinden kann.

Dirk