Der 1. Regensburger Spindellauf am 12.01.2013

Ein Erfahrungsbericht von Philipp Friedrich

Als ich Ende des Jahres 2012 erfuhr, dass im Regensburger Donaueinkaufszentrum (DEZ) ein Halbmarathon über 14 Runden inklusive Parkhausspindel ausgetragen wird, habe ich nicht lange gezögert. Da wir oft im DEZ sind und im Parkhaus parken, habe ich mich immer wieder gefragt, wie es wohl wäre, da hoch zulaufen. Dies hatte ich auch Anfang 2012 einmal dem Geschäftsführer des DEZ gegenüber erwähnt (ich war bis vor kurzem in derselben Firmengruppe tätig). Ob dies die Geburt der Idee war, weiß ich nicht. Auf jeden Fall hätte ich nicht gedacht, dass es so einen Lauf tatsächlich einmal geben würde.

Das Abholen der Startunterlagen auf der Eventfläche im DEZ verlief etwas holprig. Es gab vier Schlangen, aber man konnte nicht erkennen, welche Schlange für welche Kategorie anstand. Zu klein waren die Schilder auf den Tischen der Startnummernausgabe. Die hätte man besser mal oben aufgehängt. Helmut (Zitzmann) und ich standen natürlich an der falschen Schlange, aber letztendlich bekamen wir doch relativ schnell unsere Unterlagen, sodass genügend Zeit blieb, die Startnummer zu befestigen, die beiden Transponder in die Schuhe einzuschnüren und der Wettkampfbesprechung zu lauschen.

Einen emotionalen Höhepunkt, wenn man das so sagen darf, erlebte die Veranstaltung noch vor dem Start. Der Sprecher erzählte mit Kloß im Hals, dass einer der Staffelläufer in der Silvesternacht verstorben war und seine Partner nun zusammen mit einem Ersatzmann für ihn laufen wollten. Der Frau des Verstorbenen war es wichtig, dass alle Teilnehmer dies erfuhren. Das war wirklich ein sehr ergreifender Moment.

Vor dem Start konnte ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass die für eine Laufveranstaltung relativ engen Gänge mit einigen Nadelöhren 300 Läufer (200 Einzelstarter und 100 Staffeln) verkraften würden. Doch diese Sorge erwies sich als unbegründet. Das Teilnehmerfeld entzerrte sich nach dem Start schnell. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor war das Thema Wetter bzw. Kleidung. Was zieht man zu einem Lauf an, bei dem es auf 14 Runden 28 mal abwechselnd ins Freie bei ca. 0 Grad und wieder ins Einkaufszentrum bei geschätzten 22 Grad geht? Und was ist, wenn es regnet oder schneit? Dann werden die Innenpassagen auf den glatten Fliesen zur Rutschpartie. Teppiche bei den Eingängen hin oder her. Aber zum Glück war es trocken. Am Vortag hatte ich noch erwogen, in kurzer Hose zu laufen. Aber nach einem kurzen Lauf am Freitag bei 0 Grad war schnell klar, dass es die lange Hose, das lange Laufshirt und die Weste werden würde. Und Mütze. Und Handschuhe. Ich dachte mir: Lieber drinnen zu warm, als draußen zu kalt. Und ich war froh, mich so entschieden zu haben. Es gibt natürlich Hardliner (gell Helmut ;-), die einen solchen Lauf in kurzen Klamotten durchziehen, aber ich bin dafür zu soft.

Nach dem Start bei der Eventfläche geht es vorbei am Peek&Cloppenburg Richtung Drogerie Müller, dann 90 Grad nach links und schon ist man im Freien auf dem Parkplatz. Und dann wartet sie bereits zum ersten Mal: Die Spindel. Da ich im Vorfeld viel Hügeltraining bei uns im Wald gemacht habe, ist das Hochlaufen (vier Runden) kein Problem. Tempo ein bisschen rausnehmen und versuchen, ruhig weiterzuatmen. Schwieriger ist das Runterlaufen. Ich gebe richtig Gas, um Zeit gutzumachen. Aber das Bergablaufen in einer konstanten Rechtskurve ergibt eine ungewohnte Körper- und Fußhaltung und nach dem dritten oder vierten Durchgang befürchte ich, an der rechten Ferse eine große Blase zu bekommen. Aber ich habe Glück und die Ferse hält bis zum Schluss durch. Nach der Spindel geht es beim Biomarkt wieder rein, 90 Grad nach links auf eine lange Gerade Richtung Nordsee und wieder 90 Grad nach links auf eine ebenso lange Gerade zum New Yorker. Dann wieder nach draußen. Auf der Rollstuhlrampe sind die paar Höhenmeter zwischen Erd- und erstem Obergeschoss zu überwinden und schon ist man wieder im Gebäude. 90 Grad nach links, lange Gerade bis zum Bijou Brigitte, 90 Grad nach rechts, ab auf die Start-/Zielgerade. Und das Ganze jetzt 14 mal hintereinander…

Vor dem Lauf habe ich mir als Ziel einen 5er Schnitt gesetzt. Bei einer Rundenlänge von 1,5 km wären das 7,5 min pro Runde bzw. eine Endzeit von 1:45 gewesen. Aber da bereits die erste Runde unter 7 min „ging“, wollte ich es einfach so weiterlaufen lassen. Bis Runde 9 konnte ich eine Rundenzeit von ca. 6:52 min halten. Ab Runde 10 ging es dann bis auf 7:11 hoch. Aber ich hatte ja 7:30 anvisiert und war von daher noch voll im Soll. Letztendlich stand eine Endzeit von 1:37:44 auf der Uhr, was einem Kilometerschnitt von 4:39 min entspricht. Damit bin ich angesichts der rund 600 Höhenmeter, die der Veranstalter ausgewiesen hat, mehr als zufrieden.

Es war wirklich ein sehr schöner Lauf. Sehr gut organisiert und eine tolle Stimmung, sowohl unter den Läufern wie auch unter den vielen Zuschauern. Das Startgeld ist mit 25 € für einen Halbmarathon nicht ganz billig, aber es ist zumindest ein Funktionsshirt im Preis inbegriffen. Nur zwei Dinge sind mir negativ aufgefallen. Nach einer gewissen Rundenzahl konnten einige Läufer die Spindel nur noch gehend erklimmen. Das ist ok, aber wenn man nicht mehr kann, sollte man nicht zu zweit nebeneinander gehend und plaudernd die Innenbahn blockieren. Und einige schnelle Staffelläufer meinten wohl, sie alleine hätten Anspruch auf die Gerade im Wechselbereich. Nach der Übergabe des Stabes spurteten sie los wie die Verrückten und verschafften sich mit ausgefahrenen Ellenbogen Platz. In beiden Fällen sollte der Veranstalter bei der nächsten Auflage für mehr Fairness sorgen. Dies geht wohl leider nur durch den Einsatz von mehr Ordnern.

Ich hoffe, dass sich dieser außergewöhnliche Lauf in Regensburg etabliert. Großes Kompliment an den Veranstalter LLC Marathon. Ich bin im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder dabei!

Hainsacker, 13.01.2013
Philipp